Grundsätzliche Aspekte zum Therapieablauf und zur Therapeut-Patient-Beziehung

Psychotherapie ist bei aller angestrebten Wissenschaftlichkeit eine persönliche Angelegenheit und ich möchte auch diese Seite persönlich gestalten.

Mit der Frage, woher die Beschwerden rühren, hat ein großer Teil der Patienten schon viel Zeit in verschiedenen Krankenhäusern und Arztpraxen zugebracht. Oft sind dem Patienten keine persönlichen Konflikte oder belastende Lebensumstände oder auch leidvolle frühere Erfahrungen in ihrem Leben bewusst, aus denen sie sich etwa eine psychosomatische Reaktion erklären können. Viele sagen: Mir hat doch nie etwas gefehlt - warum jetzt plötzlich! Und wenn ungünstige "atmosphärische" Umstände noch erinnerlich sind, sagen Patienten oft: das kann sich doch jetzt gar nicht mehr auswirken, das habe ich längst hinter mir gelassen!

Der Patient kommt also mit Fragen zum Therapeuten und ist oft unsicher vor dem Erstgespräch. Gesellschaftlichen Vorurteilen entsprechend schämen sich viele Menschen wegen der Tatsache, dass sie jetzt zu einem Psychiater oder Psychotherapeuten gehen müssen und dass sie seelisch leiden, dass ihnen etwas fehlt, obwohl sie eigentlich "nichts haben" - keine "richtige" Krankheit. Wahrscheinlich bilden sie sich ja alles nur ein - sagt man ihnen oder denken sie selber!

Tatsächlich könnten die Menschen stolz sein, die sich für eine Psychotherapie entscheiden oder prüfen lassen, ob eine solche ihnen helfen kann - weil sie realisiert haben, dass in ihrem Fühlen oder Denken oder in manchen Grundsätzen, nach denen sie ihr Leben oder ihre Beziehungen gestalten, etwas nicht klar ist und weil sie nun dafür Verantwortung übernehmen und sich Hilfe holen. Bei den vermeintlich starken Menschen, die sie dafür auslachen und "schwach" nennen, ist vielleicht noch mehr unklar, nur merken sie das nicht, solange bestimmte Abwehrmechanismen funktionieren oder eben auch, solange andere Menschen ihnen gewissermaßen das Leid abnehmen, sich vielleicht sogar von ihnen missachten lassen und den "Starken" die Macht bleibt, mit der sie ihre eigenen Selbstwertprobleme betäuben können.

Die Mächtigen sind stolz und die Machtlosen schämen sich! Dieses meiner Ansicht nach verdrehte Werteprinzip ist nur ein Beispiel für die Fragwürdigkeit mancher menschlicher, sogenannter moralischer Klischees, mit denen gerade sensible Menschen irgendwann Schwierigkeiten bekommen müssen, weil diese Klischees sinnvolle Konsequenzen oder Entscheidungen erschweren. Die Geschichten der davon Betroffenen werden in Märchen anschaulich dargestellt und Wege zur Lösung ebenfalls. Märchen stellen archaische, sehr grundlegende Entwicklungskonflikte dar, werden aber bezeichnender Weise von Erwachsenen meistens ebenfalls belächelt..

dass die Psychiatrie und (etwas weniger) die Psychotherapie als solche ebenfalls missachtete Disziplinen sind, hängt meiner Ansicht nach damit zusammen, dass sie einen Raum anbieten, in dem es nicht als verwerflich gilt, Zweifel an angeblichen Idealen anzumelden, übliche Denkweisen zu überprüfen, eigenes und das Verhalten anderer Menschen kritisch zu betrachten, sich kurz gesagt Klarheit und Distanz zu verschaffen.

Dann souveräner Entscheidungen treffen zu können und die Unklarheit nicht mehr in seelische oder psychosomatische, also auch körperliche Spannungen verschieben zu müssen, liegt nur im Interesse des Einzelnen und erregt anscheinend immer noch gesellschaftlichen Widerspruch. Andererseits würden die Krankenkassen nicht dafür bezahlen, wenn sie nicht festgestellt hätten, dass Psychotherapie Menschen heilt und die Ausgaben pro Patient langfristig verringert. Der Nutzen von Psychotherapie ist auch volkswirtschaftlich gegeben.

Wenn ein Patient zum erstenmal in eine psychotherapeutische Praxis tritt, hat er schon in diesem Moment etwas wichtiges geleistet!

An diese Stelle passt ein Gemälde des von mir geschätzten Malers Wolfgang Lettl aus Augsburg. Es heißt "Die Landung" und stammt aus dem Jahre 1992.

Angenommen, das Buchstabenknäuel steht für den Patienten selber. Dann könnte mir dazu einfallen, dass er von seinen Symptomen zur Psychotherapie getrieben wird, die ihm - hoffentlich - dazu verhilft, dass er auf festen Untergrund kommt. 

Interessanter finde ich die Vorstellung, dass es sich bei dem Knäuel um den Zustand des Patienten handelt, das Durcheinander von Gedanken und Gefühlen oder auch nur um seine vielen Fragen. Dann könnte man sagen: Das Knäuel bildet von außen betrachtet doch eine runde Sache und bietet viel Inhalt an, mit dem man sich nun beschäftigen und den man in der Sonne ausbreiten und zur Geltung lassen kommen könnte. Vor allem scheint mir weniger die Bedrohung dieses Knäuels bemerkenswert, dem die Kugeln der mächtigen Männer  eigentlich nicht viel anhaben könnten, sondern erstaunlich ist, wie viel Angst diese Männer vor dem Knäuel haben müssen! Könnte ihnen die sicher scheinende Macht abhanden kommen, wenn immer mehr Menschen sie hinterfragen und sich eigene Gedanken machen?

Wie können seelische Beschwerden gelindert oder geheilt werden?

Wie kann man einen "Programmvirus" unschädlich machen, der schon seit Urzeiten sein Unwesen treibt und uns die Freude nimmt? Es ist schon viel gewonnen, wenn Patient und Therapeut nach kritischer Prüfung gemeinsam feststellen, worin das Problem besteht - nicht nur vordergründig, sondern auch mit seinen bisher verborgenen bzw. unbewussten Aspekten -  es "sehen" und auch in Worten beschreiben. Sie nehmen ja auch dann gemeinsam Stellung zu dem, was nun sichtbar wird. Natürlich führt aber erst ein verändertes Handeln zu einem realen Gewinn. Ein therapeutisches Arbeitsbündnis soll natürlich dazu führen, dass der Patient mit sich selbst " gesünder" umgeht und in seinem psychosozialen Umfeld eine günstige Veränderung bewirken kann, sonst können seine konkreten Beschwerden und auch die Auswirkung auf den körperlichen Zustand nicht dauerhaft gelindert oder behoben werden.

Die angestrebte Auswirkung der Therapie auf das reale Leben ist in der Regel nicht allein durch das brillantere Wissen "im Kopf"  zu erreichen, sondern die im Grunde wesentlicheren Prozesse im unbewussten müssen ebenfalls modifiziert werden. Der Patient sollte dann also "automatisch" auf Situationen anders reagieren können als vorher. Zumindest mit der Zeit müssen anfangs gedankliche Strategien von den untergeordneten Anteilen des Gehirns übernommen werden. Diese Umstellung geschieht letztlich noch lange Zeit nach Abschluss der offiziellen Therapie.

Nicht eine spezielle Methode, sondern eigentlich die Beziehung selber, die Geduld von beiden Seiten, die zunehmende Bewusstheit und liebevollere Haltung des Patienten zur eigenen Person - nicht eine bestimmte Methode oder Technik - ist das Heilsame in der Therapie.

Jetzt möchte ich meine nächsten Gedanken noch einmal durch eine andere Deutungs- und Veränderungsmöglichkeit an dem Bild von Wolfgang Lettl konkretisieren: Vielleicht hat der Patient bisher vermieden, mit etwas Bedrohlichem zu tun zu bekommen, das von diesen inneren Männern auf dem Bild dargestellt wird. Manchmal gelingt das eben doch nicht, z. B. gerät er in Prüfungssituationen in Panik und kann so sein Studium nicht beenden. In diesem Fall könnte ein vom Therapeuten begleiteter innerer Dialog mit den Männern erst einmal ermöglichen, sie unabhängig von bisherigen Vermutungen genauer kennenzulernen. Je nach Verlauf der Unterhaltung entsteht dabei manchmal zunächst eine Auseinandersetzung, die jetzt aber anders als in den bisherigen Grübeleien des Patienten vor sich gehen und letztlich eine nachhaltige Einigung und Entspannung herbeiführen kann. Mit solchen Möglichkeiten kann man in der Therapie mit Sichtweisen kreativ und spielerisch umgehen und oft mehr Bewegung veranlassen als nur mit "Nachdenken".

Dadurch wird die innere Befindlichkeit verändert, inneren Seiten oder Instanzen ihre Bedrohlichkeit genommen und mit dem Gewinn an innerer Sicherheit auch neue Verhaltensweisen möglich, welche die Mitmenschen manchmal staunen lassen. Die Arbeit mit Bildern bzw. Imaginationen wird in verschiedenen Therapiemethoden angewandt - teilweise etwas verstohlen, da Kreativität, die nicht in Therapiemanuale hinein schematisiert werden kann, wissenschaftlich orientierten Experten suspekt sein kann. Immerhin zählt jetzt das Katathyme Bilderleben zu den zugelassenen Verfahren der Psychotherapie-Richtlinien.

Was unsere Arbeit in anderer Hinsicht interessant macht, ist die Erfahrung, dass Menschen manchmal etwas sagen, ohne im selben Moment wahrzunehmen, wie bedeutsam und hilfreich auch die gerade benutzte Formulierung eigentlich ist. Unter anderem dieses Phänomen ist ein Hinweis, dass es "Unbewusstes" in uns gibt. Der Therapeut braucht den Patienten manchmal nur aufmerksam zu machen auf etwas, das dieser gerade "zwischen den Zeilen" selbst gesagt hat. Mit der Zeit gewinnt der Patient dadurch an Vertrauen und Bewusstheit gegenüber dem Potential, das in ihm nur darauf wartet, von ihm selbst und von anderen Menschen gehört zu werden. Dann ist er nicht mehr auf die Hinweise des Therapeuten angewiesen und kommt auch alleine auf mehr neue Gedanken als vorher. Therapie soll also auch unabhängiger machen. Der Patient wird selber Experte für das, was in ihm vor sich geht und gewinnt an Selbstvertrauen. Dazu muss er nicht "positiv" denken, sondern einfach neutral, distanzierter, sich weniger an Klischees orientieren, sondern an der Realität (dazu gehören die anderen Menschen) und seinen eigenen - möglichst unverfälschten - Wahrnehmungen.

Der Therapeut dient natürlich auch als Lernmodell, orientiert sich eine Zeitlang mit dem Patienten zusammen und bietet nachträglich Lernerfahrungen an, die dem Patienten als Kind gefehlt haben können. Der Therapeut bezieht sich dabei innerhalb von vorgegebenen Grundprinzipien und Grenzen natürlich auf seine eigenen Gefühle und Wahrnehmungen, muss seine eigene Geschichte innerlich von der des Patienten trennen, wird oft an Eigenes erinnert und muss merken, wann er selbst einen Fall in seiner Supervision oder seinem Kollegenkreis (Intervision) darstellen und sich Rat holen muss. Und ein Therapeut kann auch nicht zu jedem Patienten einen Draht finden. Aber schon das möglichst machtfreie Wahrnehmen, ob die Chemie stimmt oder nicht und ob durch den persönlichen Austausch in den probatorischen Sitzungen ein Mehr an Klarheit zustande kommt, ist als ein therapeutischer Prozess zu verstehen. 

Der Patient kann sich des Therapeuten meist für einen Zeitraum von einem halben bis anderthalb Jahren (bei Langzeittherapie) oder evtl. noch länger in der Psychoanalyse als relativ neutral gegenüberstehendem vertrauten Zuhörer oder Katalysator bedienen und auch mehr Kontrolle über seine emotionalen Prozesse erlangen. "Neutral" heißt nicht unberührt, sondern der Therapeut soll dem Patienten möglichst machtfrei und nicht manipulativ ein Forum anbieten, in dem dieser durch seine eigenen Gedanken, Gefühle und Interpretationen neue, für ihn wichtige Zusammenhänge entdecken und Schlussfolgerungen ziehen kann. In der Woche nach der Sitzung wird der Patient seine neuen Gedanken an der äußeren Wirklichkeit testen, manchmal auch wieder verwerfen. Die Geschichte braucht also etwas Zeit!

Die therapeutische Beziehung soll dem Patienten erleichtern, sich selbst und mitbetroffene Menschen  in einer Situation zu verstehen. Wichtig ist, dass die Zusammenarbeit nur einer der beiden Personen zu dienen hat, nämlich dem Patienten. Der Therapeut hat vom Patienten persönlich nichts zu wollen, außer an dessen Geschichte auch selbst wieder zu lernen! 

Weil diese relativ einseitig nützliche, hierarchische Zweck-Beziehung (die eigentlich auch in der Eltern-Kind-Beziehung vorzuliegen hat) heilsam ist, d. h. zu Klarheit führt, wird das therapeutische "Setting" sehr bewusst und natürlich mit einigem Aufwand (dazu gehört auch die Ausbildung des Therapeuten) so oder z. B. in der Gruppensituation etwas anders gestaltet. 

Gerade im Hinblick auf die Pflicht des Therapeuten zur einseitig gerichteten Zuwendung, auf das "Sich-kümmern-um-den-Patienten" auf die Bereitstellung der eigenen Person für bestimmte Erfordernisse des Patienten ist ein angemessenes Honorar als Gegenleistung unbedingt Voraussetzung dafür, dass diese Beziehung bei keinem der "Kollaborateure" (Zusammenarbeiter) seelischen Schaden hinterlässt - auch nicht beim Therapeuten. 

Deshalb habe ich dem aktuellen Honorarproblem einen eigenen Raum in meiner Homepage eingeräumt. Wir - vor allem die Fachärzte, die auch Psychotherapie durchführen, werden derzeit in unglaublicher Weise von Politikern und Krankenkassen missachtet. Uns wird durch diese existenzielle Bedrohung Kraft genommen, die wir für unser Einlassen auf täglich 6-8 Patienten zur Verfügung haben müssen. Gleich fallen mir die Männer wieder ein auf dem Bild von Herrn Lettl!

Zwischen Freunden oder Partnern oder überhaupt zwischen Menschen in alltägliche Situationen ist eine derartig einseitig nützende menschliche Zuwendung eigentlich nicht zu finden und auch nicht erträglich oder sogar schädlich, wenn zumindest nicht die Rolle des Gebenden und des Nehmenden ab und zu ausgetauscht wird. Ausnahme sind natürlich besondere Situationen wie die Pflege von Angehörigen. Da geht es um ein besonderes Geschenk, das aber zumindest als solches anerkannt werden sollte.

Ansonsten - unter selbständigen Erwachsenen - fühlt der eine sich zu Recht ausgenutzt und kommt dadurch vielleicht in eine "Mutterrolle" oder "Vaterrolle". "Bin ich denn die Mutter der Nation! Mich beladen alle mit ihrem Dreck und mir hört keiner zu!" Aus solchen Formulierungen wird auch schon deutlich, dass immer wieder einmal die Beziehung so einseitig werden kann, wie sie eigentlich in eine frühere, kindliche Entwicklungsphase gehört hätte - allerdings mit anderen Vorzeichen. Die grundlegende Erfahrung, dass wir uns mit einer Unklarheit an die Eltern wenden und dann mit ihrer Hilfe doch eine eigene, und dienliche Antwort durften, ist eine Voraussetzung für die Entwicklung von Selbstvertrauen. Und selbst wenn die selbst gezogene Konsequenz sich als ungünstig oder falsch erweist, sollte das eine eigene Erfahrung sein dürfen. Natürlich wird trotzdem auch mal eine klare Gegenposition oder -meinung der Eltern gebraucht. Auseinandersetzungen, Grenzen müssen erfahren werden zum Unterscheiden zwischen Ich und Du.

Die ersten und grundlegenden Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen, die gerade nicht vom kleinen Kind kritisch und sachlich überprüft werden können, geschahen historisch zwar in der Vergangenheit, prägen aber unsere Wertvorstellungen und Verhaltens- oder Denkmuster noch als Erwachsene. Ursprünglich meistens sehr sinnvolle kindliche Anpassungsstrategien an die damals gegebene Situation werden von uns gehütet als etwas, was uns vielleicht das Überleben gesichert hat und mit unserem Selbst-Erleben verwoben ist. Entgegen unserem gegenteiligen Vorhaben richten wir unser Leben später nach Erreichen der Großen Freiheit unbemerkt doch so ein, dass mit der Zeit wieder die gefürchteten, aber auch vertrauten Spannungsfelder entstehen, an die wir uns ursprünglich angepasst haben. 

Gerade unsere so erstaunlich tiefgreifenden emotionalen Reaktionen entstehen evtl. durch eine Erinnerung an alte Wahrheiten aus einer Zeit, in der wir den wesentlichen Zusammenhang nicht rational und distanziert erfassen konnten. Die Tatsache, dass uralte und gerade unbewusste Erfahrungen, auch Täuschungen, Missverständnisse, Entwicklungsdefizite manchmal zu unserem und unserer Mitmenschen Nachteil in das jetzige Denken, fühlen und Handeln hinein wirken kann, wird gerade in der therapeutischen Beziehung zunutze gemacht. Der Therapeut achtet besonders in der Psychoanalyse und in der Tiefenpsychologisch Fundierten Therapie auf das Phänomen der sogenannten Übertragung und Gegenübertragung, bespricht seine eigenen Wahrnehmungen dann teilweise mit dem Patienten oder räumt ihm bewusst die Möglichkeit ein, quasi seine alte Wirklichkeit jetzt aktuell in der Beziehung zum Therapeuten ein Stück weit spiegelbildlich zu inszenieren und dann zu durchschauen. Der Patient darf in diesem Sinne mit dem Therapeuten einiges ausprobieren und selber merken, in welche Rolle er sich oder den Therapeuten versetzt, in welcher Weise er ihn verkennt, in seiner Wahrnehmung verfärbt usw.

Solche Übertragungen ergeben sich manchmal schon in den ersten Sitzungen, werden aber erst später bewusst (auch der Therapeut muss manchmal die Phase von Unklarheit zusammen mit dem Patienten ertragen). Beide Menschen sollen sich dann möglichst in den probatorischen Sitzungen klar werden, ob sie sich nun zusammen auch diesen zwischen ihnen spürbaren Phänomenen stellen und sie mit der Zeit im Dialog klären wollen. Dazu ist selbstverständlich eine grundlegende Sympathie zwischen Patient und Therapeut erforderlich. Der Therapeut wird sich fragen, ob er an der aktuellen und ursprünglichen Geschichte des Patienten ein ausreichendes und wohlwollendes Interesse hat und der Patient sollte prüfen, ob der Therapeut für ihn brauchbar ist, um Klarheit zu gewinnen.

Zum erstenmal im Leben des Patienten können nun (Günstigenfalls) er und der Mensch ihm gegenüber die in ihrer Arbeitsbeziehung auftretenden Phänomene oder einen entstehenden Konflikt mit Worten und eben auch mit bildlichen Vergleichen beschreiben und dann gemeinsam einer Lösung zuführen. Dann wird eine gewissermaßen erwachsenere und letztlich würdevollere Einflussnahme gesucht, als ursprünglich das Kind in seinen Schwierigkeiten und in seiner damals abhängigen Lage sie entwickeln konnte.

In dem Ausmaß des aktiven Hinweisens des Therapeuten auf Zusammenhänge und auf der anderen Seite Zeit-Geben und den Patienten seine eigene Geschwindigkeit selbst bestimmen lassen unterscheiden sich Therapeuten voneinander und natürlich auch die methodischen Richtungen. Zur Entscheidung, welche therapeutische Richtung für den einzelnen Patienten die "richtige" ist, weise ich auf die Internet-Adressen-Seite hin mit entsprechenden Links zu anderen Therapeuten und ihren Ausführungen dazu.

Therapien aller methodischer Richtungen führen manchmal zu konkreten Entscheidungen, die sich der Patient vorher zu vermeiden versucht hatte. Ich selber lerne durch die Begleitung der Patienten immer mehr zu akzeptieren, dass überhaupt nicht so wichtig ist, was wir uns in den Kopf gesetzt haben, also unser "Wille", sondern das schätzen zu lernen, was sich als wertvoll erweist. Das unerwartete - wie oft auch das überraschende Ergebnis einer therapeutischen Sitzung!

Gerade die erste Sitzung erleben Patienten oft als entlastend, manchmal im ersten Moment etwas verwirrend – aber ihr Staunen ist ein Hinweis, dass sie auf neue Gedanken gebracht worden sind.